Erich Dietloff

Lyrik


Gleichgewicht / Gedicht
Wege / Gedicht
Zu spät? / Gedicht
Es gibt immer einen Weg / Kurzgeschichte
Freundschaft / Kurzgeschichte
Handywahn / Gedicht
Kino / Gedicht
Neustart / Kurzgeschichte
Dorfleben-Stadtleben / Gedicht
Danke / Gedicht
Regen / Gedicht

Gleichgewicht


Kontrolle ist gut - Kontrolle gibt Sicherheit
Kontrolle beschränkt - Kontrolle ist nicht gut

Freiheit ist gut - Freiheit schafft Vielfalt
Freiheit ist grenzenlos - Freiheit ist nicht gut

Pflicht ist gut - Pflicht schafft Gerechtigkeit
Pflicht ist Ausrede - Pflicht ist nicht gut

Freiwillig ist gut - Freiwillig macht Spaß
Freiwillig wird ausgenutzt - Freiwillig ist nicht gut

Stärke ist gut - Stärke erreicht Ziele
Stärke unterdrückt - Stärke ist nicht gut

Schwäche ist gut - Schwäche macht menschlich
Schwäche macht mutlos - Schwäche ist nicht gut

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Wege


Erste Wege, getragen in Liebe
Neue Wege, erweitern den Horizont
Freie Wege, geben Mut und Kraft
Neugierige Wege, bringen Erfahrung
Freiwillige Wege, mal leicht mal schwer
Helfende Wege, helfen auch dem Helfer
Lustige Wege, mit Freunden und Familie
Versperrte Wege, mal berechtigt, mal unberechtigt
Ehrliche Wege, nicht immer leicht aber befreiend
Gezwungene Wege, auch zu unserem Nutzen ?
Traurige Wege, lehren uns das schöne zu schätzen
Harte Wege, an Ihnen kann man wachsen
Kluge Wege, nicht immer leicht
Abzweigende Wege, lehren Entscheidungen zu treffen
Falsche Wege, brauchen Mut sie zu verlassen
Dumme Wege, lache selbst darüber
Ausgetretene Wege, durch Gewohnheit eingeschlagen
Alte Wege, mit guten Freunden und Familie
Letzter Weg, ........

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Zu spät?


Als ich ein Kind war wollte ich ein Tänzer werden.
Aber meine Eltern sagten,
Du musst erst einen guten Schulabschluss machen,
dann kannst Du tanzen."

Als ich mit der Schule fertig war sagte man mir,
"Du musst erst einen Beruf erlernen,
dann kannst Du tanzen."

Als ich ausgelernt hatte hieß es,
"Du musst erst einen guten Job finden,
dann kannst Du tanzen."

Als ich einen Job hatte sagte meine Frau,
"Du musst dich erst um unsere Familie kümmern,
dann kannst Du tanzen."

Als ich nach einem Unfall querschnittsgelähmt war sagten die Ärzte,
"Du kannst nicht mehr tanzen."

Ich aber habe das tanzen mit einem Rollstuhl gelernt.


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Es gibt immer einen Weg


Es war noch viel zu früh, aber er wollte noch ein wenig vor der Kathedrale sitzen und sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Am Anfang dachte er, das es doch nicht wirklich schwer wäre,  für Ihn als durchtrainierten Athleten. So entschloss er sich vor 5 Jahren nach Santiago zu pilgern.
Er kaufte Rucksack, Schuhe und alles was man so braucht und lief in Hamburg los. Erst verlief auch alles nach Plan,  doch dann passierte dieser dumme Unfall. In der Schweiz am Abstieg vom Brünnigpass verlor er das Gleichgewicht und stürzte. Er wusste nicht warum und wie tief er stürzte. Aber als er wach wurde lag er im Krankenhaus. Trotz aller ärztlichern Kunst konnte man Ihm nicht mehr helfen. Er blieb an den Rollstuhl gefesselt.
Für Ihn schien das Leben keinen Sinn mehr zu haben. Immer wieder dachte er „Jetzt bin ich ein Krüppel.“ Als das Krankenhaus nichts mehr für Ihn tun konnte, wurde er entlassen. Seine Schwester kam, um Ihn abzuholen. Seine wenigen Habseligkeiten wurden in den Kofferraum gepackt, und er wollte gerade mit seinem Rollstuhl ins Auto. Da fiel sein Blick auf seinen Rucksack.
Es war wie ein Geistesblitz; „Nein“, er wollte nicht aufgeben. Er wusste, das es falsch war jetzt ins Auto zu steigen. Seine Schwester machte ein Riesentheater und hielt ihn für total verrückt. Er ließ sich aber nicht beirren. So nahm er seinen Rucksack, überlegte und plante wie er seinen Weg doch noch zu Ende gehen könnte. Es gab unzählige Schwierigkeiten, aber es gab auch immer einen Menschen oder eine Idee wie es weiter ging.
Und so saß er jetzt hier,  und hatte nicht nur sein Ziel erreicht. Sondern auch viele Freunde und die Kraft für neue Ziele gefunden.

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Freundschaft


Fred ging mit freudigen Schritten auf den „Lord Nelson“ zu einen gemütlichen Pub im Herzen Londons. Einmal im Jahr, genau am 22. Juni, traf er sich hier mit Charly. Das war der Tag, an dem Charly ihm das Leben gerettet hatte.
Es war im Afghanistankrieg. Sie waren beide im gleichen Battalion. Bei einer Patrouille in der Nähe von Lashkar Gäh gerieten Sie in einem Hinterhalt unter MG-Feuer. Sie konnten zwar den feindlichen Schützen ausschalten, aber Fred hatte es schwer erwischt. Charly baute eine Trage, die er hinter sich herziehen konnte und brachte ihn in das 5 Km entfernte Lazarett.
Er hatte nie einen Dank erwartet. „Das hätte doch jeder gemacht,“ war sein einziger Kommentar zum damaligen Geschehen. Nach ihrer Heimkehr entwickelten sich ihre Wege in ganz unterschiedliche Richtungen. Charly eröffnete ein Taxiunternehmen, und schlug sich damit mehr schlecht als recht durch. Fred eröffnete in Soho einen Antiquitätenladen. Wegen seines Sachverstandes und seiner verbindlichen Art hatte er sich in kurzer Zeit einen guten Ruf in der Szene erarbeitet.
Trotz dieser unterschiedlichen Lebenswege verband sie eine innige Freundschaft und so freute sich Fred schon auf das eine oder andere Stout und die interessanten Gespräche mit Charly.
Charly saß schon an ihrem Stammplatz, und es wurde, wie nicht anders zu erwarten, ein schöner Abend. Kurz bevor sie den Abend beendeten, kramte Charly ein Foto aus seiner Brieftasche.
„Du Fred, du kennst dich doch mit Kunst aus“, fragte er. „Vor einem Viertel Jahr sind meine Eltern gestorben, beim Aufräumen habe ich das gefunden.“& Damit überreichte er Fred das Foto. Auf dem Foto war ein Gemälde zu sehen.“ Kannst du mir sagen, ob das ein wertvolles Gemälde ist?“
Fred schaute auf das Foto, und ihm stockte der Atem. Mühsam beherrschte er sich. Denn er hatte das abgebildete Gemälde sofort erkannt. Es war eindeutig ein „van Gogh“, dieser Maler war sein Steckenpferd. Was er nicht verstand, war, dass es dieses Bild überhaupt noch gab. Angeblich sollte das Bild „Maler auf der Strasse zu Tarascon“ 1945 einem Brand zum Opfer gefallen sein.
Nachdem er sich das Foto scheinbar desinteressiert betrachtet hatte, sagte er zu Charly: „Bring es mal vorbei, um Dir da etwas zu sagen, muss ich mir das Gemälde genauer ansehen.“
In seinem Studio über dem Laden angekommen, recherchierte er, ob das, was er auf dem Foto gesehen hatte, möglich sein konnte und wie hoch der Wert dieses Gemäldes sein könnte.
Ihm wurde schwindelig. Wenn das wirklich das Original war, waren seine finanziellen Probleme Vergangenheit. Charly würde er irgendetwas erzählen, und ihm ein paar Scheine geben. Er würde ja nie erfahren, wie wertvoll das Gemälde seiner Eltern war.
So plante und überlegte er bis zum frühen Morgen. An Schlaf konnte er nicht denken. Es vergingen fast 14 Tage, bis Charly mit dem Kommentar „Tut mir leid, hatte keine Zeit“ in Freds Laden auftauchte. Fred war heilfroh, er hatte schon befürchtet dass Charly sich das mit dem Bild noch mal überlegt hatte. „Ist schon in Ordnung, ich schau es mir in den nächste Tagen an und melde mich dann bei Dir.“ „Und wie geht es Dir, und Deiner Familie?“ Fred wollte das Gespräch möglichst schnell weg vom Gemälde lenken. Und so unterhielten sich die beiden noch einige Zeit über Politik, Frauen und Bier.
Nach dem sein Laden geschlossen war, nahm Fred sich sofort die Zeit, und untersuchte das Gemälde aufs Genaueste. Mit jedem Test wurde es klarer: Es war das Gemälde «Maler auf der Strasse zu Tarascon» von Vincent van Gogh, gemalt 1888. Er setzte sich in seinen gemütlichen Sessel, stellte das Gemälde so, dass er es gut betrachten konnte, und trank seinen Lieblingsrotwein dazu, „Chambertin Grand Cru“. Nur sehr selten gönnte er sich davon ein Glas. Aber jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür. Als er so in seinem Sessel saß, fiel sein Blick auf ein Foto an der Wand. Das Bild zeigte Ihn und Charly bei ihrer Heimkehr aus Afghanistan. Schnell stand er auf, und drehte das Foto zur Wand. Er wollte sich seine Laune nicht verhageln lassen. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt für Gefühlsduselei.
Am nächsten Morgen fühlte sich Fred gerädert, in der Nacht hatte er wenig geschlafen. Immer wieder war er in der Nacht aufgeschreckt, hörte das MG-Feuer, spürte die Schmerzen seiner Verwundungen und die Hitze von Afghanistan. Das waren Dinge, von denen er gedacht hatte, dass er sie schon lange hinter sich gelassen hatte. Er sagte sich, wenn ich das Gemälde los bin, ist wieder alles in Ordnung. Und Charly wird sich freuen, wenn ich Ihm sage, dass ich das Bild für 200 Pfund verkaufen kann. Auch der Rest des Tages war nicht viel besser. Seine Angestellte sagte zwar nichts, aber sie schaute ihn immer wieder besorgt an. Er merkte selber, dass es ihm schwer fiel, sich auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren.
Auf dem Weg zum Lunch überfielen ihn wieder Bilder aus der Vergangenheit, als er an einem Haus vorbeiging, bei dem gerade ein Arbeiter mit einem Bohrhammer beschäftigt war.
Auch die nächsten Tage waren nicht viel besser, und sein Nervenkostüm wurde immer dünner. So beschloss er schließlich, dass es so nicht weiter gehen kann.
Bei Christie’s wurde es immer stiller, zwei Bieter waren im erbitterten Zweikampf. „85 zum ersten, zum zweiten. 90 zum ersten. 92 zum ersten, zum zweiten. 95 zum ersten, zum zweiten. 97 zum ersten. 99 zum ersten, zum zweiten und zum dritten. Damit geht das Gemälde «Maler auf der Strasse zu Tarascon» von Vincent van Gogh für 99 Millionen Pfund an die Dame hinten in der dritten Reihe. Herzlichen Glückwunsch.“
Ein Raunen ging durch den Saal mit so einem hohen Gebot hatte niemand gerechnet.
Die Dame kam nach vorn, gab dem Auktionator Ihre Karte, drehte sich um und verließ kommentarlos den Saal. Kaum hatte sie den Saal verlassen standen zwei Herren in der letzten Reihe auf, sahen sich zufrieden lächelnd an und folgten der Dame.
Am 22. Juni vor dem „Lord Nelson“ wurde es laut. Das tiefe Wummern eines Motorrades war zu hören. Man erkannte sofort, dass es sich nur um eine Harley handeln konnte. Vor dem Pub blieb das Motorrad stehen, und das Wummern erstarb. Frank stieg ab und schaute sich um. Er sah sofort, dass Charly wieder schneller war. Eine Harley, die ein Zwilling seiner Maschine hätte sein können, stand schon vor dem Pub und wurde von den vorbeigehenden Passanten gebührend bewundert.

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Handywahn


Als Alexander Graham Bell,
der kluge Mann vor Jahr und Tagen.
An seine Frau schrieb manuell.
Tat es Ihm nicht behagen.

Das es meistens lange dauert.
Ein Brief braucht viele Stunden.
Weil Bell dieses sehr bedauert,
hat er’s Telefon erfunden.

Nun war ein jeder analog,
ob Bruder, Schwester Nachbar,
und der Freund, der einst verzog,
bei Tag und Nacht erreichbar.

Die Zeit verging, die Welt wurd’ schneller,
aus analog wurd’ digital.
Die Erde immer informeller,
das Handy wurde funktional.

Wenn du nicht weißt wo du gerad’ bist,
willst niemand fragen nach der Zeit.
Suchst dringend einen Polizist,
willst kaufen Dir ein Kleid.

Bist du alleine, hungrig, krank,
dich drückt der Liebeskummer.
So reicht dir heute Gott sei dank,
fürs Telefon ne’ Nummer.

Heute gehen viele Leute,
mit einem Knopf im Ohr,
ganz ohne Sinn fürs Heute,
den Blick gebannt zum Monitor.

die Menschen sitzen wie die Schafe
zu zweit, zu dritt, zu viert
Es ist so still, fast wie im Schlafe,
wird mit dem Handy kommuniziert.

Wenn dein Handy ständig läutet,
das versteht heut Jedermann.
Dieser Mensch sehr viel bedeutet,
nein er ist kein Hampelmann.

Eltern mit besonderem Chic
den Kinderwagen schieben.
Jedoch dem Bildschirm gilt der Blick.
Ob Sie Ihr Kind nicht lieben?

Jeder Mensch, das ist erklärlich
Hat sein Handy stets dabei.
Denn es ist schon sehr beschwerlich
ist man einmal handyfrei.

Das Telefon ist schlecht, ist gut,
trau Dich und geh mal ohne los.
Geh in die Welt, sei frohgemut,
Sieh sie dir an, sie ist famos.

Die Menschen dir entgegen gehen,
Sie sind nett, sprich Sie doch an.
Sie warten drauf, man kann es sehen.
Das man Freundschaft schliessen kann.

Das Telefon mag nützlich sein,
Doch eines das ist klar.
Die Welt, Menschen und Mondenschein,
nimmt man am besten ohne war..

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Kino


Reihe 13 erster Sitz
Es ist noch früh, ich bin entspannt
Mit Cola, Schokokram und Chips
Bin auf den neuen Film gespannt

Ich sitze kaum da kommt ein Pärchen
Möchten vorbei 5 Sitze weiter
Sie langes Haar, er trägt ein Bärtchen
Mach Ihnen Platz, noch bin ich heiter

Setz mich wieder schau auf die Uhr
Da betreten zwei Frauen den Saal.
Der Film fängt an, in 15 Minuten nur.
Eine in Jeans, Die Andere mit Schal.

Ich stehe auf, mach wieder Platz
Sie gehen vorbei, der Schal wie dumm.
Ich kann es nicht glauben, werde blass.
schmeißt die Tüte Chips mir um.

Entschuldigt sich und lächelt matt
Ich schau zu Boden, und finde es schade.
Die Chips Sie schon vergessen hat.
Ich hab noch Cola und Schokolade.

Noch 10 Minuten denke ich grimmig
Der Herr mit Bärtchen will zum Verkauf
Ich mach ihm Platz und bete innig
Doch das Unglück nimmt seinen Lauf.

Er stößt mich an, es wird immer bunter
Die Dame in Jeans schaut zu uns rüber
Mir fällt dabei der Becher runter.
Sie schaut Ihm nach und lacht darüber

In 5 Minuten fängt der Film an zu laufen.
Hab nur Schokolade, und nichts mehr zu trinken
Ob die Zeit noch reicht eine Cola zu kaufen
Bin verärgert, lass mich in den Sessel sinken.

Will mir Cola holen, flink wie ein Hase.
Steh vor der Tür, da geht Sie auf.
und schlägt mir mitten auf die Nase.
Kaum zu stoppen ist des Blutes Lauf.

Ich weiß nicht wie ist mir geschehen.
Das Hemd kaputt, das Auge blau.
Es wurde immer paradoxer
Den Film hab ich nicht mehr gesehen.
Der Tag heut war ein Supergau
Der Herr mit Bärtchen war ein Boxer.

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Neustart


Es war noch früh, die Straßen glänzten vom nächtlichen Regen. Mit dem Fahrrad kam ein Mann die Straße entlang gefahren, hielt an und schob sein Fahrrad auf den Parkplatz einer Autowerkstatt am rechten Straßenrand. Sorgfältig sicherte er sein Fahrrad mit einem Schloss und ging in Richtung der geparkten Autos. Man würde ihn um die 50 schätzen, er war hochgewachsen, sein dunkles Haar war stellenweise schon ein wenig licht. Gekleidet war er mit einer verwaschenen Jeans, einer Regenjacke und er trug einen kleinen Rucksack.
So ging der Mann mit müden Schritten auf ein Auto zu, öffnete den Kofferraum, legte Regenjacke und Rucksack in diesen. Danach ging er einmal langsam um das Auto, er schien zu kontrollieren ob an dem Auto alles in Ordnung war. Nach dem Kontrollgang öffnete er seine mitgebrachte Teekanne, um einen Becher Tee zu trinken. In seinem Blick lag eine gewisse Melancholie. Am Ende verstaute er die Teekanne wieder im Rucksack, nahm Portmonee, Lesebrille, ein dickes Buch an sich und stieg ins Auto. Nachdem alles untergebracht war, brachte er das Taxischild auf dem Autodach an und verließ den Parkplatz Richtung Innenstadt.

Der Mann, er hieß Richard, fuhr seid circa 10 Monaten Taxi. Vorher hatte er fast 20 Jahre lang als Administrator in einer Firma vor Ort gearbeitet. Schon als Kind hatte ihn die Mathematik fasziniert. Und so hatte er nach seinem Abi Informatik studiert und auch keine großen Probleme gehabt nach dem Studium eine Anstellung zu bekommen. Seine Spezialität waren Datenbanken. Er fand es immer wieder spannend, wie man Millionen Informationen strukturieren filtern und miteinander in Beziehung setzen konnte. Aber es ging ihm wie so vielen. Der kleinen Firma ging es immer besser, und irgendwann wurde sie von einem Großkonzern übernommen. Eine der ersten Aktionen dieses Konzerns war, das die IT-Abteilungen zusammengefasst wurden. Er bekam ein Angebot, für ein höheres Gehalt in Frankfurt weiter beschäftigt zu werden.
Aber was sollte er in Frankfurt, er hatte hier ein Haus. Er hatte hier Freunde. Seine Kinder gingen hier zur Schule. Auch liebte er seine Frau, und wollte keine Wochenendbeziehung führen. Also schlug er das Angebot aus. Er war der Meinung dass er mit seinen Kenntnissen schnell eine neue Anstellung finden würde. Bei allen Bewerbungen war man auch immer wieder an seinem Wissen interessiert. Aber wenn dann die Rede auf sein Alter kam, war das Bewerbungsgespräch schnell mit nichtssagenden Floskeln beendet.
Und so schlug er sich und seine Familie mit dem kargen Taxiverdienst über die Runden.

Richard fing gerne früh an, er wollte sich die Einnahmen der Nachtschwärmer nicht entgehen lassen. Er hatte noch nicht ganz den nächsten Taxiplatz erreicht, da bekam er einen Auftrag, „36 bitte zur Rathausklause“. Er fuhr zur Rathausklause, und ging hinein. Der Wirt deutete auf drei am Tresen sitzende Männer. Der mittlere von den Dreien war inzwischen eingeschlafen. Na, das fing ja gut an. Hoffentlich kotzten Sie ihm nicht ins Taxi. Als sich Richard bei Ihnen bemerkbar machte, zahlten sie, nahmen ihren Kumpel in die Mitte und wankten hinter Richard her. Nachdem sie ihn auf den Rücksitz platziert hatten, nahmen die zwei anderen Platz und nannten Ihr Ziel.
Richard hatte inzwischen einige Erfahrung, und sorgte für die richtige Musik bei der Fahrt. Er machte ein paar dumme Scherze und sorgte für gute Laune bei seinen Gästen. Das zahlte sich meist beim Trinkgeld aus. Er hatte Glück. Das Taxi blieb sauber, und es gab auch ein gutes Trinkgeld.
Im Laufe des Morgens bekam er noch eine Fuhre vom „Goldenen Ritter“ und auch die Rathausklause musste er noch einmal anfahren, danach brach das Geschäft mit den Kneipen ab.

Er wusste, das es jetzt erst einmal ruhiger wurde. Für die Fahrten zu Ärzten und Krankenhäusern war es noch zu früh. Er stellte sich auf einen Taxiplatz am Stadtrand, nahm sich noch einen Becher Tee nach vorne und holte sein Buch „Methoden der computergestützten Datenanalyse“ heraus.
Seine Rechnung ging auf, nach einer knappen Stunde kam aus dem Funkgerät. „Wagen 36 bitte nach Waldhof. Melde dich im Altenheim.“ Das war gut, da musste wahrscheinlich einer der älteren Herrschaften in die Klinik, oder zum Arzt. Und da Waldhof von hier aus 20 km weiter stadtauswärts lag, würde sich sein Taxameter freuen. Trinkgeld gab es zwar bei den älteren Menschen meist wenig, aber der Taxameter glich das aus.
Er fuhr los und schaute auf seine Uhr. Dass passte gut, nach dieser Fuhre konnte er zu seiner Stammkundin fahren. Eine ältere Dame die regelmäßig zur Dialyse musste. Sie wollte sich nicht jedes Mal an einen neuen Fahrer gewöhnen. Darum rief sie ihn immer an und machte mit ihm einen Termin. Die Tour war zwar nicht überragend, aber es war eine nette Dame und er tat Ihr gerne den Gefallen. So zog sich der ganze Vormittag hin, Fahrten zu Krankenhäusern oder zu Ärzten. meist nur Kleinbeträge.

Gegen Mittag bekam er einen Auftrag in der Nordstadt. Als er vorfuhr, stand dort ein Pärchen. Verliebt küssten sie sich und neben ihnen standen mehrere Koffer. Wie er es immer machte, half er ihnen die Koffer einzuladen. Sie setzten sich auf die Rückbank und er fuhr die beiden mit Ihren Koffern zum Bahnhof. Während der ganzen Fahrt turtelten das Pärchen auf der Rückbank. Am Ziel angekommen, stellte er die Koffer auf den Kuli und schaute den beiden noch eine Weile hinterher, bevor er sich an die lange Schlange der wartenden Taxis anstellte. Jetzt war erst mal wieder tote Hose. Die anderen Taxifahrer standen neben ihren Taxen, unterhielten sich, scherzten und vertrieben sich die Wartezeit auf den nächsten Kunden.

Er hatte keine Lust zum Schwatz mit den Kollegen. Bei dem Pärchen war ihm eingefallen, wie gerne er mal wieder mit seiner Frau und seinen Kindern Urlaub machen würde. Aber das konnten sie sich nicht leisten. Seine Frau verdiente dazu, das Arbeitslosengeld und der karge Dazuverdienst durch sein Taxifahren reichte so gerade für ihr Haus und ihren Lebensunterhalt. Urlaub und irgend einen noch so kleinen Luxus konnten sie sich nicht mehr leisten. Er war so froh und dankbar das seine Frau ihm keine Vorwürfe machte. Immer wieder haderte er mit sich, dass er damals nicht nach Frankfurt gegangen war. Aber er würde seiner Familie gerne wieder etwas mehr Luxus bieten.
Er sprach gerne mit Menschen, damals bei seiner früheren Arbeit hatte ihm der Kontakt zu den Kunden viel Freude bereitet. Es freute ihn, wenn die Menschen zu ihm kamen und er ihnen am Ende eine maßgeschneiderte Lösung für ihr Problem geben konnte. Ihm fehlte die geistige Herausforderung, das Erlebnis, dass er am Ende eine scheinbar unlösbare Aufgabe gemeistert hatte. Er las viel, versuchte am Laufenden zu bleiben, aber das alles gab ihm keine Befriedigung.

So stand er in der Schlange und ein Taxi nach dem anderen fuhr mit Kunden weiter. Irgendwann stand er vorn, schaute in seinen Rückspiegel und dachte: „Ich muss mich zusammenreißen, sonst gibt es kein Trinkgeld.“ Er setzte ein mehr oder weniger gekonntes Lächeln auf und dachte: „Alles Mist, aber es wird schon irgendwie weiter gehen.“ So wartete er noch weitere 5 Minuten. Da kam ein junger Mann im Businessanzug mit einer kleinen Aktentasche auf sein Taxi zu. Sein Gesicht war glatt rasiert, er hatte kurz geschnittene, gepflegte, rotblonde Haare. Er trug eine schwarze, geränderte Brille mit runden Gläsern. Sein Gang und seine Bewegungen waren energisch, trotzdem hatte man den Eindruck dass er unter hoher Spannung stand. Er öffnete die Beifahrertür, und sagte: „Können Sie mich bitte zur Königstraße 15 fahren?“. Richard war enttäuscht, die Königstraße 15 war zu Fuß in 5 Minuten zu erreichen. Fast eine Stunde Wartezeit und jetzt 4,80€ auf dem Taxameter. Trotzdem versuchte er freundlich zu bleiben und fuhr den Kunden zur angegebenen Adresse. Königstraße 15 war eine große Bank. Als er seinen Kunden dort absetzen wollte, bat dieser ihn: „Können Sie bitte auf mich warten, ich habe hier einen Termin. Es kann eine halbe Stunde dauern!“ Das freute Richard, wurde die Tour doch noch lohnend.

Richard stellte sein Taxi auf den Parkplatz der Bank, nahm sein Buch mit und setzte sich mit einem Kaffee in eine der gemütlichen Sitzecken im Eingangsbereich der Bank. Dort saß er lesend, als nach einer knappen halben Stunde eine Bankangestellte auf Ihn zu kam und ihn bat, er möge noch ein wenig länger warten. Die Beratung würde sich doch noch etwas länger hin ziehen. Sie würde ihm auch gerne noch einen Kaffee kommen lassen. Richard dankte für die Information, wollte aber lieber ein Glas Wasser statt des Kaffees.
So saß Richard noch eine Weile da, bis sein Kunde von oben die Treppe herunter kam. Man sah ihm sofort an, dass das, was er auch immer geplant hatte, funktioniert haben musste. Gelöst und locker, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, kam er auf Richard zu. „So, und jetzt müssen sie mich noch irgendwo hinfahren wo man gut essen kann.“ Richard dachte an sein Taxameter und empfahl ein gutes Restaurant am Stadtrand. „Ich kann Ihnen die Gaststätte Waldwiesn empfehlen. Sie ist schön gelegen und hat eine exzellente Küche.“ „Okay, fahren sie mich hin.“ Beide gingen zum Auto, Richard stieg ein und der Kunde stellte seine Aktentasche hinter den Beifahrersitz. Dabei fiel sein Blick auf das Buch, das Richard in seinen Pausen las. Er setzte sich auf den Beifahrersitz, schnallte sich an und Richard fuhr Richtung Waldwisn. Als Richard an der nächsten roten Ampel hielt, sprach ihn der Fahrgast an. „Entschuldigen Sie meine Neugier, aber ich habe gerade das Buch auf der Rückbank gesehen. Studieren Sie Informatik?“ Richard lächelte den Kunden an. „Sie scheinen mich aber für sehr jung zu halten. In meinem Alter hat man das Studium schon lange hinter sich.“ „Ach dann verdienen sie sich nebenher noch etwas dazu?“ „Nein, leider auch falsch geraten. Ich bin seit einem knappen Jahr arbeitslos und versuche, mit dem Buch auf dem Laufenden zu bleiben, damit mein Kopf nicht einrostet.“ Nun schwiegen beide bis sie an der Waldwisn ankamen.
Als das Taxi zum Stehen kam, schaute der Kunde Richard interessiert an und fragte ihn: „Darf ich Sie zum Essen einladen? Erstens esse ich nicht gerne alleine. zweitens habe ich etwas zu feiern, und drittens haben sie mich neugierig gemacht.“ Richard überlegte kurz und dachte sich, dass er nichts zu verlieren habe. Der Tag war heute gut gelaufen, und eine Pause hatte er sich verdient. Auch sah sein Fahrgast nicht unsympathisch aus. Er meldete sich bei der Zentrale für eine Stunde ab und sie betraten gemeinsam die Waldwisn.

Sie bekamen einen gemütlichen Platz mit einem Blick auf den naheliegenden Wald und die Gaststätte hatte zur Zeit nur wenige Gäste. Der Kunde hatte sich Richard vorgestellt, er hieß Peter Wegener. Peter bestellte sich ein Bier, und Richard ein alkoholfreies Radler. Dann vertieften sich beide in die Speisekarte. Nachdem beide gewählt hatten, setzte Peter das Bier an, trank einen Schluck und lehnte sich zurück.
„Ich glaube, ich muss Ihnen erklären, warum ich sie zum Essen eingeladen habe. Wenn wir Glück haben, können wir uns beiden einen Gefallen tun. Ich hatte vor etwa zwei Jahren eine Geschäftsidee, bei der es um die Auswertung gigantischer Datenmengen geht. Diese Idee habe ich detailliert ausgearbeitet. Meine Firma ist aber noch klein, und mir fehlt Startkapital. Heute ist es mir gelungen die Bank von meiner Idee zu überzeugen. Dummerweise wurde mir einer meiner besten Datenbankprogrammierer abgeworben. Ich brauche dringend Ersatz. Ich brauche einen Programmierer, dem ich nicht erst das Gehen beibringen muss.“ Peter unterbrach das Gespräch, weil ihnen das Essen an den Tisch gebracht wurde. „Lassen Sie uns erst essen. Danach möchte ich mehr über Sie erfahren.“
Es wurde ein langes Gespräch. Am Ende fuhr Richard seinen neuen Chef zum Bahnhof und kaufte für seine Frau einen riesigen Strauß rote Rosen.
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Dorfleben - Stadtleben


Das Leben auf dem Dorf ist schön.

Obwohl das manche anders sehen.

Rund um uns Feld und Wald und Wiese.

Fuchs und Hase lieben diese.

Leise ist es in der Nacht.

Ein Hahn hat unser Haus bewacht.

Bunt sind im Herbst bei uns die Wälder.

Es fahren Trecker über die Felder.

Nur wer es wagt erlebt es auch selber.


Stadtleben das macht uns frei.

Täglich, und ich bin dabei.

Am Wochenende ist was los.

Discos, Kneipen und Kinos.

Tag und Nacht, die Stadt schläft nicht.

Läden gibt es die haben Nachtschicht.

Es gibt Theater und Museen.

Bistros, Cafés und auch Moscheen.

Eine Bratwurst an der Bude, mit Senf hellgelber

Nur wer es wagt erlebt es auch selber.

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Danke


Eine Tasse heißer Kaffee.
Ein vermisster Freund, den ich wieder seh.

Die Welt in der ich lebe, fröhlich und bunt.
Das ich morgens aufstehe, und bin noch gesund.

Mein Kind als dieses die Welt erblickt.
Die Arbeit, die mir perfekt geglückt.

Nach einer Krankheit zu gesunden.
Das Geldstück das ich gestern gefunden.

Die Blume dort am Wegesrand.
Die Reise in ein fremdes Land.

Geschenke die man mir gegeben.
Den Morgen den ich darf erleben.

Das und vieles andere groß und klein.
Läßt mich täglich dankbar sein.

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Regen


Morgens leise rinnt der Regen
Feucht ist es auf allen Wegen

Auch Wiesen und Bäume die sind nass
Gefüllt ist vom Gärtner das Regenfass

Getrocknete Erde freut sich über das Wasser
Gestern war das grün der Bäume noch blasser

Der Regen wäscht Schmutz von Blüten und Blätter
Auch der Regenwurm freut sich über das Wetter

Der Bach der sich drunten im Tal entlang windet
Gefallen am Wasser des Regens findet

Kühl ist die Luft, keine Spur mehr von Hitze
Vorbei ist die Zeit wo ich sitze und schwitze

Die Kinder vom Nachbarn mit Jacke und Mütze
Lachen vor Freude, und springen in die Pfütze

Das und viel mehr kann ich vom Fenster sehen
Kann die Freude von allen so gut verstehen.

Auch ich genieße den Morgen und freu mich am Regen.
Aber morgen möcht ich Sonne, das wäre ein Segen.

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